Zu Gast in Äthiopien

Im April war unsere Kollegin Mariam Janssen-Yousaf aus dem Referat für Not- und Krisenhilfe in Äthiopien. Der zehntgrößte Staat in Afrika ist rund dreimal so groß wie Deutschland. Ärzte der Welt engagiert sich seit 2014 in der äthiopischen Region gegen die genitale Verstümmelung von Mädchen und jungen Frauen. Nach vielen Stunden Autofahrt durch das Hochland erreichte Mariam die karge Region Afar, wo das Projekt stattfindet.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ärzte der Welt engagiert sich im Projekt zur Vermeidung der Genitalverstümmelung und deren gesundheitsschädlichen Folgen für Mädchen und junge Frauen in Äthiopien. Der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) liegt eine komplexe Mischung aus kulturellen, religiösen und sozialen Faktoren zugrunde. Besonders in dem abgelegenen und armen ähtiopischen Region, wie Afar ist die Tradition der Beschneidung weit verbreitet.

Afar ist in 5 Zonen eingeteilt. Ärzte der Welt ist in der fünften Zone tätig, in Hari Rasu. Hier werden Mädchen innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Geburt beschnitten und infibuliert. Das entspricht der weiblichen Genitalverstümmelung Typ 3 – der schwerste Typus. Deshalb setzt Ärzte der Welt genau dort mit seinem Projekt an, um für das Thema weibliche Genitalverstümmelung zu sensibilisieren und aufzuklären.

Die Hauptziele im Projekt sind:

  1. Verringerung der neonatalen Sterblichkeitsrate der Kinder und Verbesserung der Gesundheit der Mütter.
  2. Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung für die Gefahren und Langzeitfolgen der FGM mit dem Ziel der Abkehr der Gemeinden von dieser Tradition.
  3. Unterstützung der medizinischen Einrichtungen und Training des Personals im Umgang mit FGM, vor allem bei Schwangerschaften, Geburten und Neugeborenen.
Unsere Kollegin Mariam wieder in der Geschäftsstelle in München.
Unsere Kollegin Mariam wieder in der Geschäftsstelle in München.

5 Fragen an Mariam

1. Liebe Mariam, mit welchen 3 Worten würdest du dich beschreiben?

Oh, das ist schwer. Spontan bin ich also schon mal nicht (lacht). Ich würde sagen ich bin engagiert – ich setzte mich sehr für unsere Projekte ein, aber engagiere mich auch in anderen Bereichen, die ich wichtig finde, zum Beispiel Umweltschutz oder Flüchtlingshilfe in Deutschland. Ich mag es, wenn Dinge organisiert sind, daher schreibe ich gerne viele Listen, was meine Freunde immer zum Lachen bringt. Und Ungerechtigkeiten haben mich schon immer empört und zum Handeln bewegt. Deshalb würde ich sagen, ich bin sehr gerechtigkeitsliebend und halte viel von Solidarität und Mitgefühl.

2. Warst du das erste Mal in Äthiopien und was war der Anlass der Reise?

Es war ein Monitoring Trip: Sinn der Reise war, dass ich die Kollegen und das Hauptstadtbüro in Addis Abeba und alle Projektkomponenten vor Ort kennenlerne und überprüfen kann. Ich wollte mir unser Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) in der äthiopischen Region Afar ansehen, lokale Partner kennenlernen und mir ein Bild von den Fortschritten und Schwierigkeiten machen. Ich war das erste Mal in Äthiopien. Es ist ein großes und vielfältiges Land. Die Regionen im Norden sind sehr vernachlässigt und verarmt. Die Menschen leben dort hauptsächlich als Teil-Nomaden und sind auf ihre Tiere angewiesen. Trotzdem sind die „Afar“ sehr gastfreundlich und interessiert.

3. Wie hat dein Alltag in Äthiopien ausgesehen?

Nach einem Tag in Addis Abeba waren wir sind vier Tage nonstop unterwegs und sind viel gereist. In Dawe, einem sehr kleinen Ort inmitten der Zone 5 ist der Sitz unserer lokalen Partner. Dort hat Ärzte der Welt ein kleines Gästehaus, in dem wir übernachteten. Es war sehr von Vorteil, dass ich mit den lokalen Partner ACISDA (Afar Community Initiative Sustainable Development Association) und dem MDM-Team vor Ort unterwegs war. Wir sind zu sogenannten „Mütterclubs“ gefahren, dort werden beispielsweise moderierte Diskussionsgruppen zur Sensibilisierung und Aufklärung innerhalb der Gemeindearbeit angeboten. Wir haben zwei Schulen besucht und uns von ACISDA und MdM/Ärzte der Welt betreute Gesundheitseinrichtungen angesehen. Wir waren in einer Klinik, das einzige Referenzkrankenhaus in Zone 5, mit dem wir zukünftig gerne zusammenarbeiten wollen. So konnte ich viele Einblicke in das Projekt gegen FGM gewinnen. Mehr als ich erwartet hatte. Für mich waren es sehr spannende und emotionale Tage. Ich hatte viele Fragen bezüglich des Projekts und ich war erstaunt, wie umfassend die Antworten auf meine Fragen waren.

4. Was war die größte Herausforderung an der Reise?

Die größte Herausforderung war wohl, dieses spannende Projekt zu begreifen und zu verstehen. Ich kam ja mit sehr vielen Fragen nach Äthiopien. Dann stand ich da: mit meinem katalogisierten Fragebogen in einem mir völlig fremden Land. Ich wollte die vielen neuen Eindrücke zunächst wirken lassen, bevor ich meine Beurteilungen abgebe. Die Arbeitsweise und das Vorgehen innerhalb des Projekts zu verstehen war mir sehr wichtig. Erst mit etwas Abstand konnte ich anschließend das Projekt einschätzen. Das war die größte Herausforderung für mich.

5. Was war das beeindruckendste Erlebnis in dieser Woche?

In der Schule hatten die Kinder mehrere Theaterstücke für uns aufgeführt. Das hat mich vollkommen begeistert, mit welcher Leidenschaft, und wie realitätsnah und eindrucksvoll die Schüler das Thema und den Konflikt um FGM umgesetzt haben. Sie haben auch ohne Bühne und Requistiten die komplexe Thematik so extrem gut im Kern erfasst. Das war wirklich beeindruckend, mit welcher Klugheit und welchem Scharfsinn die gesellschaftliche Auseinandersetzung hinsichtlich weiblicher Genitalverstümmelung dargestellt wurde.

Mich hat auch überrascht, wie viel Verständnis unser lokaler Partner für das Projekt hat. Unsere Partner in Äthiopien sind zum Großteil ja Männer und sie beschäftigen sich mit großem Engagement mit einem tabuisierten Thema. Sie gehen sehr sachlich und ungehemmt gegen Genitalverstümmelung bei Mädchen und jungen Frauen vor. Man merkt, wie wichtig ihnen der gesellschaftliche Wandel ist.

„Gadageeya“, Mariam! Vielen Dank.

About Lena Schulze

Praktikantin im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.