Übergabe mit Handschlag

Vier neue Räder für open.med

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Wann hast du zuletzt ein Auto bekommen? Vielleicht ein Spielzeugauto im Kindesalter zu Weihnachten? Oder einen kleinen, alten Gebrauchtwagen zum 18. Geburtstag? Das Auto, das Ärzte der Welt e.V. am 23. September 2016 überreicht bekam, spielt in einer ganz anderen Klasse: Es handelt sich um einen zum Arztmobil umgebauten Mercedes Sprinter, ausgestattet mit einem Behandlungsraum mit Liege, EKG, Blutzuckermessgerät, Defibrillator und sogar einem Ultraschallgerät – und somit gut gerüstet für Münchens Straßen. Das Arztmobil  wird bereits ab Ende September 2016 für das „Programm Ärzte der Welt open.med“  im Einsatz sein und soll medizinische Versorgung zu denen bringen, die in unserer Mitte leben, aber doch vielfach übersehen werden: nicht oder nicht ausreichend Krankenversicherte, Flüchtende, Wohnsitzlose, Menschen in Not.

Zu Verfügung gestellt wird das Arztmobil von der Stiftung Help In Motion, deren Gründer Ralph Müller nicht nur zufrieden strahlend das Fahrzeug überreicht, sondern auch gerne erklärt, wie das Projekt zustande kam.

 

  1. Herr Müller, Sie sind Gründer und Vorsitzender der Help In Motion Stiftung. Wie kommt man darauf, eine Stiftung zu gründen?

Ich bin schon immer viel gereist. Besonders nach Afrika, nach Indien und auch in andere ärmere aber sehr schöne Länder. Um hier die Kulturen kennenzulernen, war ich oft abseits der Touristenpfade, in Ghettos und Slums unterwegs und habe viel Elend und sogar sterbende Kinder gesehen. Um zu helfen, habe ich lange andere Organisationen durch Spenden unterstützt. Da es mir hier oft an Transparenz fehlte und man mir auf Nachfrage nichtmitteilen konnte, was mit meinem Geld bewirkt wurde, habe ich mir vor sieben Jahren entschlossen, meine eigene Stiftung zu gründen: Help in Motion.

  1. Heute überreichen Sie Ärzte der Welt ein ganz besonderes Fahrzeug: ein ausgebautes Arztmobil. Woher wussten Sie, welche Ausstattung für den Einsatz in München gebraucht wird?

Die Wahl der Ausstattung habe ich nicht alleine getroffen, sondern in Zusammenarbeit mit Ärzte der Welt e.V. und Prof. Trabert von Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. Es gibt viele Details zu beachten. Beim Mercedes Sprinter haben wir uns beispielsweise für eine besondere Höhe entschieden, damit auch größere Patienten und Ärzte im Wagen aufrecht stehen können. Mir ist wichtig, dass die Ausstattung funktional und langlebig ist. An der Qualität zu sparen, wäre hier der falsche Ansatz. Dann funktionieren die Geräte nicht und der Wagen kann nicht eingesetzt werden. Das wäre das Schlimmste für mich – wenn der Wagen nutzlos herumsteht.

  1. In Ihren beiden bisherigen Projekten haben Sie medizinische Projekte in Sierra Leone und den Philippinen unterstützt – nun ist Deutschland an der Reihe. Gab es hierfür einen speziellen Anlass?

Eigentlich gibt es sogar zwei Gründe. Zum einen wurde es einfach Zeit, sich auch um die Probleme vor der eigenen Haustür zu kümmern, schon allein um den Kooperationen von Help in Motion mit hiesigen Verbänden wie der Münchener Tafel e.V. gerecht zu werden. Es ist auch schön, die eigenen Projekte nun in Aktion sehen zu können. Zum anderen haben uns in letzter Zeit Behörden und Korruption die Arbeit im Ausland erheblich erschwert: Auf den Philippinen steckte unser Unimog drei Monate im Zoll fest. In München können wir schnell und zuverlässig helfen.

  1. Bei der Einweihung der beiden Unimogs für German Doctors sagten Sie, Sie freuen sich endlich helfen zu dürfen – nicht müssen, nicht können, sondern dürfen…

Auch wenn es uns manchmal nicht bewusst ist: In Deutschland leben wir im Schlaraffenland. Ich bin kein besserer Mensch, sondern habe einfach das Glück gesund und beruflich erfolgreich zu sein  – daher habe die Möglichkeit zu helfen. Geben und Nehmen sollten sich ausgleichen, das ist mein Leitspruch und deshalb möchte ich mit dem Geben auch nicht aufhören. Für die nächste Zeit rechne ich damit, etwa zwei Fahrzeuge pro Jahr aufrüsten zu können, vielleicht sogar drei. Natürlich ist mir auch bewusst, dass hin und wieder Reparaturen anfallen werden…

  1. Was beschäftigt Sie, wenn Sie nicht gerade der schönen Aufgabe nachgehen, humanitäre Organisationen mit Fahrzeugen auszurüsten?

(lacht) Jede Menge: Ich habe einige Immobilien und Finanzbeteiligungen zu verwalten und als großer Optimist, sind mir Spaß und Freude wichtig. Dieses Wochenende würde ich Ihnen beispielsweise einen Besuch der Wiesn empfehlen. 

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