Road Map 2020- von qualitativem Wachstum und Wandertagen

Road Map 2020- von qualitativem Wachstum und Wandertagen

Schnittstellen von Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

Am Dienstag, dem 7. März 2017, fand das Meeting Road Map 2020 statt, in dem die grobe Planung für die kommenden vier Jahre festgelegt und abgestimmt wurde. Es war mein zweiter Tag als Praktikant bei Ärzte der Welt – somit kannte ich zwar die Gesichter, wusste aber noch nicht alle Namen meiner Kollegen, geschweige denn deren Abteilungen. Das war für mich also die Chance, die Organisation richtig kennenzulernen, auch was die Diskussionskultur und die Abläufe innerhalb der Organisation betrifft. Bewaffnet mit Kaffee, Notizblock und Stift setzte ich mich also an den Rand des Konferenzraums, wo auch schon die anderen PraktikantInnen Platz genommen hatten. Es dauerte allerdings noch einige Minuten bis das Treffen starten konnte, weil die Skype-Verbindung zur Advocacy Abteilung in Berlin noch nicht stand. Als die eingerichtet war, begrüßten die Kolleginnen aus Berlin alle noch kurz per Laptop-Schwenk. Dann konnte es endlich losgehen.

Moderiert wurde das Plenum von Francois de Keersmaeker, dem Direktor der deutschen Sektion von Ärzte der Welt. Er leitete an, dass zuerst die Bereichsleiter der einzelnen Abteilungen ihre Pläne für die nächsten vier Jahre vorstellen sollten. Danach war das Ziel Schnittstellen herauszufiltern, an denen sich die Abteilungen gegenseitig unterstützen, an denen die Pläne aber auch miteinander kollidieren konnten.

Gemeinsam wachsen

Schnittstellen der Fundraising Abteilung mit anderen Abteilungen

Aktuell wird Ärzte der Welt noch von der „Mutter“ Médecins du Monde aus Frankreich mitfinanziert. Da es in Deutschland, nicht nur zuletzt durch die Solidarisierung mit Flüchtlingen, Potenzial für Hilfsorganisationen gibt, soll Ärzte der Welt in Deutschland wachsen, um sich selbst  finanzieren zu können. Das führte zu der mahnenden Frage: Wachstum ja, aber zu welchem Preis? Der Mehrheit war es wichtig, dass das Wachstum nicht der Qualität und Effizienz der Arbeit schaden soll. So einigte man sich auf den Begriff „qualitatives Wachstum“, dass man also nur so schnell wachsen dürfe, dass die Qualität nicht darunter leidet. So soll das eigentliche Ziel, Menschen zu helfen, nicht aus den Augen verloren werden. Diesen Fokus auf die Qualität der Arbeit fand ich sehr beeindruckend – ich denke das unterscheidet Ärzte der Welt auch entscheidend von  einem Unternehmen oder so manch anderer Organisation.

 

Gestern rief mich ein Freund an, der wissen wollte, wie genau es in so einer Organisation abläuft: „Jetzt sag mal ehrlich León“ begann er „kommt das Geld da auch wirklich an?“. Diese Frage hatte ich zuvor schon öfter von manchem Skeptiker gehört, wenn ich als Promoter in den Fußgängerzonen dieses Landes unterwegs war. Doch erst jetzt konnte ich das auch mit tiefer innerer Überzeugung beantworten. Da ich das Innenleben der Organisation nun besser kannte, konnte ich ihm ausführlich erzählen, wie hart hier gearbeitet wird, damit die Spendengelder auch optimal eingesetzt werden.

Mitarbeiter fördern

Doch es gibt immer noch Arbeitsprozesse, die Steigerungspotential erkennen lassen. So entstand eine Diskussion über formale und gelebte Hierarchien innerhalb der Organisation. Das war etwas, was ich nicht erwartet hatte, denn ich hatte den Umgang untereinander, egal ob Bereichsleiter, Referent oder Praktikant, bislang als sehr kollegial und herzlich empfunden. Bei der nun etwas emotionaler geführten Diskussion entstanden verschiedene Vorschläge wie man Mitarbeiter besser fördern und integrieren könnte – von einem „Wandertag“ bis zu mehr Mitbestimmung war alles dabei. Eine konkrete Entscheidung wurde aufgrund des straffen Zeitplans zwar vertagt, man einigte sich jedoch darauf, noch mehr auf den Umgang miteinander zu achten. Die sogenannte „Organisationskultur“, ein komisches Wort wie ich finde, soll analysiert werden, um eventuelle Verbesserungen vorschlagen zu können. Dass es nun aber doch nicht so schlecht bestellt ist um diese Kultur, wurde immer wieder durch lautes Gelächter deutlich, zum Beispiel als einige Bereichsleiter auf die fehlende „Danke-Folie“ am Ende ihrer Präsentation hingewiesen wurden.

Als das Treffen vorbei war unterhielt ich mich noch ein wenig mit meinem Praktikantenkollegen. Wir waren beide regelrecht erschlagen von den vielen Eindrücken, weil wir zwar beide die Organisation schon länger oberflächlich kannten, aber jetzt erst begriffen, was alles dahintersteckt. Somit bin ich sehr gespannt auf die weiteren Eindrücke und Aufgaben in den kommenden sechs Monaten.

About Leon Kottmann

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