Mein Tag bei open.med

Stell dir mal vor, du lebst in Deutschland in einer glücklichen Partnerschaft und bist Elternteil von zwei kleinen Kindern. Du bist selbständig und dein Leben läuft in geregelten Bahnen. Du bist zufrieden und gehörst zur sogenannten Mittelschicht. Dann verlierst du deinen Job – dein Leben verändert sich von einem Moment auf den Anderen. Tausend Dinge, an die du denken musst. Wochen vergehen. Irgendwann geht es dir gesundheitlich schlechter, du überlegst zum Arzt zu gehen. Du erinnerst dich, dass es Briefe von deiner Krankenkasse gab. Von Beitragsschulden war die Rede und einem neuen Beitragssatz von über 800 Euro. Du wirst panisch. Und mit einem Mal wird dir bewusst, dass du nicht länger ausreichend krankenversichert bist – nur wenige Kosten für medizinische Leistungen werden übernommen.  

Während meines Praktikums bei Ärzte der Welt hatte ich die Möglichkeit unsere Anlaufstelle open.med in München zu besuchen. Dort traf ich in einer Sozialberatung auf eine Frau mit genau dieser Geschichte.
Sie hatte Angst und open.med schien die letzte Hoffnung für sie zu sein. Man höre ihr zum ersten Mal zu, versuche ihr zu helfen. Bisher hatte die Krankenkasse sie kaum ernst genommen. Dabei bestünde der Verdacht auf Krebs und eine Untersuchung wäre dringend notwendig. Außerdem mache sie sich Sorgen, dass auch ihre Kinder keinen Krankenversicherungsschutz mehr haben. Die Angst, die man als Mutter in einer solchen Situation verspürt, kann ich nur erahnen.
Man sah ihr an, dass sie sich für ihre Situation schämte. Während des Gesprächs weinte sie.
Im Verlauf der Beratung wurde gemeinsam ihre Krankenkasse kontaktiert und es konnte für den Folgetag ein Termin ausgemacht werden. Außerdem wurde sie in der Anlaufstelle medizinisch untersucht. Später beim Gehen bedankte sie sich noch einmal lächelnd beim gesamten Team und betonte wie wichtig eine solche Arbeit, wie die bei open.med, wäre. Dieser Tag hatte ihr sichtlich Hoffnung geschenkt.

Meine Zeit in unserer Anlaufstelle und die Begegnung mit dieser Patientin und all den Anderen, die an diesem Tag die Anlaufstelle aufgesucht hatten, hat mir ein weiteres Mal die Augen geöffnet.
Für mich bedeutet ein Praktikum bei Ärzte der Welt nicht nur Berufserfahrung zu sammeln, sondern auch Menschen zu helfen. Jede Aufgabe, die ich hier tätige, hat Auswirkungen auf das große Ganze und damit auch auf Menschen, die die Hilfe von Ärzte der Welt dringend benötigen.

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Praktikant im Bereich Fundraising und Marketing

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