Gute Zeiten, Wilde Zeiten

Die ersten ruhigen Tage im Büro

Es war Mitte Februar und mein erster Tag im Praktikum bei Ärzte der Welt. Ich kam in das Büro und insgesamt waren nur noch sechs weitere Leute vor Ort. Corona war nicht zu sehen, aber überall noch zu spüren. Sei es der Covid-Test beim Betreten oder die Maskenpflicht auf dem Flur.  Meine erste Frage an die Werkstudentin, die mich in meine Aufgaben eingewiesen hat, war: „Ist hier immer so wenig los?“ Und sie antwortete: „Ja, aber dienstags und donnerstags sind die meisten da.“ Dies war eine Maßnahme, um Ansteckungen zu vermeiden. So weit, so richtig. Den ersten Kontakt mit meinen Kolleg*innen der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit hatte ich in der Teamsitzung, die täglich von 10:00 bis 11:00 Uhr stattfindet. Dort wurde ich herzlich begrüßt und sofort ins Team eingebunden. So ruhig verliefen die ersten Tage bis zum 24. Februar 2022. Russland begann einen Krieg in der Ukraine, der in die ganze Welt zu spüren war – auch in der Geschäftsstelle von Ärzte der Welt.

Der Krieg in der Ukraine

Da Teams von Ärzte der Welt-Deutschland in der Ukraine stationiert waren, konnte ich aus erster Hand erfahren, was es bedeutet, wenn eine Organisation in einem Kriegsgebiet Hilfe anbietet. Ich bekam mit, wie unzählige Konferenzen der diversen Abteilungen abgehalten wurden, um möglichst schnell viel Unterstützung vor Ort anbieten zu können. In der großen Teamsitzung, die einmal wöchentlich stattfindet, wurden die neuesten Erkenntnisse aus der Ukraine ausgetauscht. Diese Informationen traten bis zu mir – dem Praktikanten – vor, die ich anschließend in verschiedene Medien aufbereitete. Ich durfte Videos schneiden, Bilder bearbeiten und Post für die Social-Media-Kanäle vorbereiten. Somit erlebte ich auch stressige Zeiten in einer NGO, die auch dann immer noch klar funktionierte.

Nach einigen Wochen legte sich die erste Erregung. Der Krieg war zwar noch ein Thema, beherrschte allerdings nicht mehr das ganze Geschehen in der Organisation. Somit blieb auch Zeit für freudige Ereignisse. Zu meinem Glück durfte ich an zwei firmeninternen Ausflügen teilnehmen. Am ersten verbrachten wir einen ganzen Tag am Tegernsee inklusive einer Wanderung, Baden, einer Museumstour und köstlicher Verpflegung. Bei der Gelegenheit konnte ich viele der Kolleg*innen aus anderen Abteilungen und Städten kennenlernen. Mit dem Team der Öffentlichkeitsarbeit ging der zweite Trip an den Ammersee. Dort waren Stand-up-Paddling und ein Besuch im Biergarten angesagt. Beides waren Erlebnisse, die ich nicht so schnell vergessen werde!

Einblick in andere Abteilungen

Neben meiner Arbeit in der Kommunikation hatte ich das Privileg, auch in andere Bereiche des Vereins zu schauen. Mit meinen erlernten Kenntnissen konnte ich mithelfen, einen monatlich erscheinenden internen Newsletter zu erstellen, der die gesamten Chapter von Ärzte der Welt, sei es Japan, Türkei oder Frankreich über die jeweiligen Errungenschaften informiert. Die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit, die vonnöten war, um so ein Produkt zu erstellen, wurde mir hier vor Augen geführt. Außerdem war ich auch einen Tag in der Inlandsabteilung, mit der ich bei einem Workshop für geflüchtete Männer aus dem Jemen mithelfen konnte.

Insgesamt waren die Monate bei Ärzte der Welt eine super Erfahrung, die wie im Flug verging. Da ich sowohl tolle Leute kennenlernen durfte, meine Fähigkeiten ausbauen konnte und den Wert und die Wichtigkeit einer NGO neu erfahren habe, kann ich ein Praktikum dort nur wärmstens empfehlen.

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