Übergabe Petition (Foto: Peter Groth)

Drei Monate im politischen Berlin

Drei Monate lang durfte ich die politische Arbeit von Ärzte der Welt im Bereich Grundsatz und Advocacy in Berlin begleiten. Hier gleicht kein Tag dem anderen. Statt eines großen Projekts stehen viele verschiedene Themen auf der Agenda – und es kann auch vorkommen, dass spontan auf das tagesaktuelle politische Geschehen reagiert werden muss. Die vielseitigen Inhalte haben aber eines gemeinsam: Es geht um den Zugang zu Gesundheitsversorgung. Dieser ist nämlich leider bei weitem nicht für alle realisiert. Global gibt es deutliche Diskrepanzen, doch auch in Deutschland werden ganze Personengruppen von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Diese Missstände prangert Ärzte der Welt mit ihrer Arbeit an und fordert Lösungen.

Politische Arbeit geschieht über unterschiedliche Kanäle, das macht die Arbeit so abwechslungsreich. So kann beispielsweise ein Webinar der ersten Aufklärung und Sensibilisierung eines Themas dienen. Oder es wird öffentlichkeitswirksam eine Petition im Rahmen einer Kampagne gestartet. Ganz direkt können Politiker*innen auch mit einem offenen Brief oder Lobbybrief angeschrieben und mit Problemen und Lösungsansätzen konfrontiert werden.

Übergabe der Petition

Dieser konkrete politische Bezug gefällt mir bei der Arbeit besonders. Die Einbindungsmöglichkeiten sind dadurch sehr divers. Ich konnte zum Beispiel bei einer Petitionsübergabe am Bundestag dabei sein, einen politischen Brief formulieren oder an einem Austauschgespräch mit dem Bundesministerium für Gesundheit teilnehmen. Um Probleme einordnen und Alternativen vorweisen zu können, ist fundierte Recherchearbeit im Vorfeld unabdingbar. Dafür ist auch der Austausch mit der Wissenschaft von Vorteil.

Prägend für Advocacy ist die Arbeit im Netzwerk. Denn gemeinsam lässt sich mehr erreichen. Der kontinuierliche Austausch mit anderen NGOs ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit. Eine gute Vernetzung ist wichtig, um den zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, gemeinsame Positionen zu erarbeiten und dadurch den politischen Druck zu erhöhen. Deshalb habe ich an vielen Netzwerk-Treffen (überwiegend online) teilgenommen. Ich schätze diesen Aspekt sehr, da der Fokus auf den gemeinsamen Zielen und dem Zusammenhalt liegt, nicht auf dem in anderen Branchen dominierenden Konkurrenzdenken.

Politiker*Innen und Bündnispartner bei der Übergabe (Foto: Peter Groth)

Zusammenarbeit ist darüber hinaus auch intern bei Ärzte der Welt elementar für die politische Arbeit. Enge Absprachen mit der Öffentlichkeitsarbeit sind wichtig, um die Botschaften nach außen zu tragen. Die Arbeit fußt zudem auf dem Austausch mit der Inlandsabteilung. Denn die Advocacy Arbeit richtet sich nach den Bedarfen, die die Menschen vor Ort äußern. Durch die Anlaufstellen von Ärzte der Welt haben wir direkten Kontakt zu Menschen ohne Krankenversicherung und sehen deren Probleme. Auf dieser Grundlage stellen wir politische Forderungen auf.

Diesen Ansatz finde ich ausgesprochen wichtig. Denn so wird sichergestellt, dass die politische Arbeit nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern sich an den konkreten Bedarfen der Menschen ohne Versicherungsschutz orientiert.

Ich konnte während meines Praktikums viele spannende Eindrücke sammeln und bin dankbar für die neuen Erfahrungen!

About Das Praktikant*innen-Team

Praktikant im Bereich Fundraising und Marketing

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