Ärzte der Welt bildet Hebammen in Togo aus.

Direktor auf Reisen

Seit Januar hat Ärzte der Welt Deutschland einen neuen Direktor: François de Keersmaeker. Der studierte Jurist freut sich über die Aufgabe, Ärzte der Welt bei seiner beeindruckenden Entwicklung zu begleiten. Eine Projektreise führte den 53-Jährigen ins westafrikanische Togo. Ärzte der Welt führt dort ein Ausbildungsprogramm für Hebammen durch. Dort galt es einige Meilensteine zu bewältigen. 

Viel zu wenige qualifizierte Hebammen gibt es in dem westafrikanischen Staat Togo. Dort sterben jährlich 368 von 100.000 Müttern. Damit Mütter ihre Kinder in Zukunft sicher zur Welt bringen können, bildet Ärzte der Welt Hebammen aus.

Ärzte der Welt fördert schon seit 2012 die Ausbildung von Hebammen in Togo: mit Ausbildungs-Stipendien für junge Frauen, mit Lehrmaterialien und medizinischen Geräten wie zum Beispiel Babywaagen oder Thermometern. Für unsere Gutachterin Gabriele Krüger ist es nun an der Zeit, die bisherigen Maßnahmen auszuwerten und mit den Partnern vor Ort zu klären, welche weiteren Schritte am sinnvollsten sind. Gemeinsam mit François de Keersmaeker wurden nun wichtige Entscheidungen getroffen und neue Ziele formuliert.

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Ärzte der Welt Direktor François de Keersmaeker wieder in seinem Büro in der Münchener Geschäftsstelle

5 Fragen an François

1. Wer ist dein ganz persönlicher Held und warum?

Als persönliche Helden habe ich oft Alpinisten im Kopf, weil ich in meiner Freizeit sehr gerne klettern gehe. Aber wenn ich darüber nachdenke, ist mein ganz persönlicher Held Nelson Mandela: Er hatte die Fähigkeit Rebellion mit Frieden zu verknüpfen. Ohne gewaltsam Fronten zu bilden oder diese zu verhärten. Er verbreitete durch seine Art der Rebellion eine Botschaft des Friedens.

Meine persönliche Heldin in Togo war allerdings Gabriele Krüger. Mit viel Energie, Kompetenz, Herzblut und Motivation geht sie als Gutachterin für Ärzte der Welt in Togo an ihre Arbeit. Was sie dort leistet ist bemerkenswert.

2. Was war der Anlass der Togo-Reise? Wie hast du dich auf den Besuch in Togo vorbereitet?

Ich bin ja immer noch relativ neu als Direktor von Ärzte der Welt Deutschland. Deshalb nahm ich die Reise zum Anlass, das Mutter-Kind-Projekt in Togo kennen zu lernen. Zum anderen bin ich mit dem Versuch einige Meilensteine zu setzten in die togolesische Hauptstadt Lomé gereist. Gabriele Krüger ist für Ärzte der Welt nun für ihre die zweite Mission in Togo. Es haben sich viele Feststellungen und Fragestellungen angehäuft. In meiner Funktion als Direktor muss ich dazu Entscheidungen treffen. Wir wissen jetzt besser, wo wir mit dem Projekt hinwollen. Dazu wollten wir unsere Strategie auch ganz offiziell mit dem togolesischen Gesundheitsministerium abgleichen und eine Partnerschaftsvereinbarung, das sogenannte „Memorandum of Understanding“ (MoU) unterzeichnen.

Im Vorfeld habe ich mich intensiv mit den Kolleginnen in der Geschäftsstelle und mit Gabi ausgetauscht. Sie erklärte uns viel über die Schwierigkeiten und Herausforderungen im Projekt. Die Reisevorbereitungen fielen ansonsten sehr pragmatisch aus: Visum beantragen, tropenmedizinische Schutzimpfungen, wie beispielsweise gegen Gelbfieber, auffrischen lassen. Dabei hat mir Valentin (Praktikant für Langzeitprojekte im In- und Ausland) sehr geholfen. Er hat tolle Briefings zu jedem einzelnen Partner vorbereitet – das war eine große Hilfe.

3. Du warst 6 Tage in Togo. Was stand alles auf der Tagesordnung?

Weil es ein sehr offizieller Besuch war, habe ich mich mit allen wichtigen Partnern getroffen, die für das Hebammen-Programm ausschlaggebend sind. In erster Linie war ich in verschiedenen Stellen des Gesundheitsministeriums: Von Gesundheitsminister Prof. Moustafa Mijiyawa höchstpersönlich, bis hin zu konkreten Anlaufstellen, die für uns zuständig sind. Zum einen wollen wir die Ausbildung der Hebammen in Togo verbessern, weshalb die Bildungsstelle für uns zuständig ist. Zum anderen möchten wir die Hebammen bei ihrem Start ins Berufsleben begleiten und unterstützen, wobei uns die Abteilung für Human Ressources als Ansprechpartner dient.

Auf der Tagesordnung standen noch viele weitere Termine und Treffen mit unterschiedlichen NGO´s und Kooperationspartnern. Wie zum Beispiel die UNFPA (United Nations Population Fund), sozusagen die Mutter-Kind-Abteilung der UN. Ein anderer Termin war mit dem Kooperationspartner der französischen Regierung. Sie unterstützen andere Hebammenprojekte in Togo finanziell ganz stark und wir können dadurch gute Partner gewinnen. Ich war in der Deutschen Botschaft, die ab 2017 auch mehr für die Gesundheit in Togo, speziell in den ländlichen Gegenden, machen möchte. Ich hatte auch Meetings mit anderen NGO´s – was irgendwie witzig war, weil ich Handicap International getroffen habe. In der Münchener Geschäftsstelle teilen wir uns ja die Büroräume.

4. Du hattest einen Termin mit dem togolesischen Gesundheitsminister höchstpersönlich. Wie war das?

Ich habe den Minister, Prof. Moustafa Mijiyawa, an meinem ersten Tag in Lomé getroffen. Formalien sind in Afrika sehr wichtig, und erst recht, wenn man den Gesundheitsminister trifft. Nur mein Koffer mit meinem Anzug ist leider nicht in Togo angekommen. Der war noch in Brüssel. Ich hatte nur die Kleidung, die ich anhatte. Daher musste ich mir also kurz vor dem Termin mit dem Gesundheitsminister noch schnell ein Hemd kaufen! Zu dem Meeting bin ich ziemlich „casual“ erschienen! Ich habe mich zu Beginn beim Minister für mein Auftreten entschuldigt. Das war alles kein Problem: Auch der Minister trug ein Farbhemd, ganz legere, ebenfalls ohne Krawatte. Dieser kleine Fauxpas hat das Eis schnell gebrochen. Insgesamt war das Treffen sehr entspannt. Herr Mijiyawa ist ein sehr zugänglicher Mensch, wir waren uns gleich sympathisch. Wir haben schnell gemerkt, dass unser Vorhaben Zustimmung hatte. Er hat eine klare Linie im Kopf – und unsere Strategie in Togo ist zu 100 Prozent mit den Vorstellungen des Gesundheitsministers im Einklang. Der Minister selbst ist noch kein Jahr im Amt aber alle Beteiligten haben ein großes Vertrauen in ihn: Er wird sehr geschätzt, alle Partner halten ihn für sehr integer und offen.

Auch ich habe ein gutes Gefühl das wir das Projekt gemeinsam zu Erfolg führen können. Schon am nächsten Tag nach meinem Besuch im Ministerium bekam ich einen Anruf: Der Minister hatte den Partnerschaftsvertrag schon unterschrieben.

5. Insbesondere hast du dir das Hebammenprogramm angesehen. Welchen Eindruck hat es bei dir hinterlassen?

Es ist wie mit den zwei Seiten einer Medaille: Das ganze gesundheitliche System hat einen riesen Bedarf an Verbesserung. Es funktioniert an vielen Ecken nicht. Die Infrastruktur ist schwach, genauso das Ausbildungssystem, es fehlt an Personal und Geld, an Qualifizierungsmöglichkeiten und Material. Selbst die Gebäude sind in einem schlechten Zustand. Es gibt viele Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Auf der anderen Seite sehe ich die große Motivation: Die Hebammenlehrerinnen in den drei Schulen in denen wir aktiv sind, sind sehr motiviert. Sie haben einen großen Willen und freuen sich über die fachliche Verbesserung. Die interne Dynamik ist bemerkenswert.

Dieses gute Klima ist für Gabi die beste Voraussetzung, um in den Schulen die Strukturen zu verbessern. Die Thematik Mutter-Kind-Gesundheit steht bei den Togolesen sehr hoch in der Prioritätenliste. Auch im Gesundheitsministerium und beim Minister steht das Thema groß auf dem Plan. Deswegen ist der Moment optimal für dieses Projekt. Einige Partner nehmen sich der Verbesserung im Management und der Infrastruktur an. Andere unterstützen mit Materialien. Ärzte der Welt bringt das fachliche Wissen mit ein und bildet aktiv Hebammen aus. Diese Synergien werden zum Erfolg des Hebammenprogramms beitragen.

Nach jedem weiteren Tag und jedem weiteren Termin in der togolesischen Hauptstadt Lomé passte das Puzzle mehr und mehr zusammen. Es ist ein schwieriges und anspruchsvolles Programm, mit vielen Hindernissen. Und dennoch ist alles für den Erfolg vorhanden. Unser Hebammenprojekt ist sehr sinnvoll. Und Gabi hat nach erst zwei Aufenthalten in Togo mit uns eine klare Vision entwickelt, die wir jetzt gemeinsam erreichen möchten.

Das 4.Semester der ENSF Kara: Hebammenschülerinnen, Lehrerinnen und Gabi Krüger.
Das 4.Semester der ENSF Kara: Hebammenschülerinnen, Lehrerinnen und Gabi Krüger.

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About Lena Schulze

Praktikantin im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

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