Bericht von Dr. Eleni Doulianaki zur Arbeit von „Ärzte der Welt mobil“

Anfang 2016 wurde das Münchner Projekt „Ärzte der Welt mobil“ ins Leben gerufen und hat seitdem vielen Flüchtlingen den Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht. Ingesamt 1116 Menschen, davon 37% Kinder, wurden von Januar bis April von Ärzten untersucht und behandelt. Dr. Eleni Doulianaki und ihr Team, bestehend aus Ärzt/-innen, Medizinstudent/-innen und Dolmetscher/-innen, machen sich vier Mal pro Woche auf den Weg zu den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge in München. Wie eine Gruppe von Backpackern, ausgestattet mit Medikamenten und medizinischen Utensilien, überzeugen sie die Menschen, die oftmals lange, beschwerliche Reisen hinter sich haben, sich untersuchen zu lassen. Die Krankheiten die am häufigsten festgestellt werden, sind Infekte der Atem- oder Harnwege, Krätze, Allergien und psychische Traumata.

Eleni, die die neuesten Entwicklungen des Projektes in einer Teamsitzung in der Münchner Geschäftsstelle vorstellte, zeigte erschreckende Bilder. Sie berichtete von dramatischen Einzelschicksalen: Ein junger Mann ist auf dem Rücken mit zwei langen Narben gekennzeichnet, die von Messerschnitten stammen. Andere Flüchtlinge hatten Wunden an den Füßen, weil viele die Reise nach Deutschland barfuß angetreten sind.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Besonders die Versorgung der Jüngsten liegt der Kinderärztin am Herzen: „Viele Familien mit Kleinkindern kommen ohne Babyflaschen, Thermometer oder sonstiger wichtiger Ausstattung nach Deutschland. Wir haben daher in der letzten Zeit einige Babytaschen verschenkt.“, so Eleni. Bei zwei Säuglingen wurde eine Lungenentzündung festgestellt. Sie wurden zum Glück noch rechtzeitig auf direktem Wege zur stationären Behandlung in das Krankenhaus überwiesen.

Bis April 2016 war Ärzte der Welt mobil am ZOB und Hauptbahnhof München tätig. Auf Grund der geschlossenen Grenzen kommen aber momentan kaum neue Flüchtlinge nach Deutschland. Daher ist das Team temporär zur Behandlung in den Gemeinschaftsunterkünften übergegangen. Eine Bedarfsanalyse zeigte auf, dass auch die bereits registrierten Migranten oftmals keinen Zugang zu medizinischen Leistungen haben, da sie von Hausärzten abgewiesen werden oder die Sprachbarriere sie daran hindert, einen Arzt aufzusuchen. Ärzte der Welt mobil hat die Möglichkeit über verschiedene Dolmetscher mit den Patienten aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern zu kommunizieren. Dies vereinfacht die Behandlung und Betreuung des Patienten enorm. Ziel ist es die Flüchtlinge auf Dauer in das Regelsystem zu integrieren.

DSC_0024

5 Fragen an Eleni

1. Wenn Du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Ich bin Jemand der gerne neue Wege öffnen möchte. Mich reizen dabei besonders die schwierigen Projekte, für die es sich zu kämpfen lohnt. Ich bleibe zudem nie an der Oberfläche,, sondern versuche immer zu verstehen, was hinter der Fassade steckt.

2. Neben deiner Arbeit bei Ärzte der Welt bist du als Kinderärztin tätig. Was ist der größte Unterschied in der Arbeit mit Flüchtlingen?

Der größte Unterschied bei der Arbeit mit Flüchtlingen ist die Sprachbarriere, durch die die Intimität und die Privatsphäre in der Arzt-Patient-Beziehung zu Grunde geht.

3. Was begeistert Dich an Ärzte der Welt und speziell an Ärzte der Welt mobil? Was spornt dich an?

Das Wichtigste an den Ärzte der Welt-Projekten ist, dass den Menschen ärztliche Hilfe angeboten wird, die sonst keinen Zugang auf eine rechtzeitige Diagnostik und Linderung haben.

4. Wie hast du die letzten Monate bei Ärzte der Welt mobil empfunden? Unterscheidet sich die Arbeit am ZOB von der Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften?

Ich hatte immer das Gefühl, dass das Leben unfair ist. Viele Menschen sind unverschuldet auf der Flucht. Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder von uns auch einmal in den heutigen Zustand der Flüchtlinge versetzt werden kann. Die Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften unterscheidet sich darin, dass wir dort die Nachkontrolle der Patienten beobachten können, während wir am ZOB keinen weiteren Kontakt mit den Patienten pflegen konnten. Aber das Konzept der Triage ist in beiden Strukturen gleich gewesen: sortieren, akut behandeln, lebensbedrohliche Fälle ausschließen und rechtzeitig weiterleiten.

5. Wie geht es mit Ärzte der Welt mobil weiter? Wird es Veränderungen geben?

Ärzte der Welt mobil ist ein dynamisches Projekt, das immer auf die aktuellen Umstände abgestimmt wird. Wir sind da wo wir gebraucht werden und schließen temporär und punktuell Lücken, helfen bei dem Integrationsprozess der Flüchtlinge ins Gesundheitssystem mit und kooperieren mit den Behörden und den Trägern. Der Nutzen des Patienten steht dabei immer im Vordergrund!

Vielen Dank Eleni!

 

Jetzt Spenden

About Damaris Bollmann

Ehemalige Praktikantin im Bereich Fundraising und Marketing

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.