Ärzte der Welt für Flüchtlinge- Ein Lichtblick für die Bewohner der Unterkünfte

Jede Woche ist das Team von Ärzte der Welt mobil in den Gemeinschaftsunterkünften in München unterwegs, um Migranten medizinisch zu versorgen. Ich habe die Kollegen bei einem Einsatz begleitet.

Als ich erfuhr, dass ich eine Gemeinschaftsunterkunft besuchen würde, war ich mir sehr unsicher, was mich dort erwartet. Von mancher Seite wurde ich vorgewarnt, dass es teilweise nicht einfach sei mit den Zuständen und Schicksalen der Geflüchteten umzugehen. Etwas mulmig war mir also zumute, als ich auf die Unterkunft zuging. Doch unsere erste Begegnung war unerwartet schön.

Kinder einer tschetschenischen Familie vor der Unterkunft

Zwei Kinder aus der Unterkunft rannten auf uns zu, tollten um uns herum, zerrten an uns und konnten nicht aufhören zu lachen. Wir konnten nicht
anders und stimmten fröhlich mit ein. Als wir uns aus der Umklammerung gelöst hatten, gingen wir zum Behandlungsbus von Ärzte der Welt. Dieser parkt immer dienstags vor der
Unterkunft und versorgt Bewohner, die aus verschiedenen Gründen nicht zu einem Arzt gehen können.

Dort beobachteten wir den ehrenamtlichen Kinderarzt bei der Behandlung eines afghanischen Jugendlichen der mit Grippesymptomen zu kämpfen hatte. Es war interessant zu sehen, wie die beiden sich in einer Mischung aus Deutsch und Paschtu unterhielten. Am Ende bedankte sich der Junge mit den Worten „Es ist gut, dass sie hier sind“.

Der Arzt ist froh, dass er helfen kann. Er äußert sich aber auch frustriert darüber, dass der Junge trotz gutem Deutsch wohl nicht in Deutschland bleiben darf.

„Kaum eine Chance langfristig zu bleiben“

Der Behandlungsbus von Ärzte der Welt mobil steht einsatzbereit

Ich will herausfinden, warum das so ist und spreche mit Elisabeth Biber, Projektleiterin für das mobile Flüchtlingsprojekt von Ärzte der Welt. „Von den afghanischen Flüchtlingen hier hat kaum einer eine Chance langfristig zu bleiben.“ erklärt sie. Ein Grund dafür ist das neue Integrationsgesetz vom August 2016, das den vorläufigen Abschluss in einer Reihe verschärfter Asyl-Gesetze bildet. Afghanistan gilt demnach in Bayern und einigen anderen Bundesländern als sicheres Herkunftsland. Amnesty International beschreibt die Sicherheitslage dort jedoch als unberechenbar. „Menschen können überall Opfer von Kampfhandlungen, Anschlägen und Verfolgung werden“ heißt es in dem im Februar veröffentlichten Positionspapier. Sicher klingt anders.

Das bedeutet für afghanische Geflüchtete in Bayern konkret, dass ein Arbeitsverbot gilt, bis ihr Antrag bearbeitet ist. Außerdem können Abschiebungen nur erschwert aus gesundheitlichen Gründen verhindert werden. Es muss eine „lebensbedrohliche oder schwerwiegende Erkrankung“ diagnostiziert werden, damit der Betroffene nicht abgeschoben wird.  „Manche Patienten verschwinden einfach und irgendwann erfahren wir, dass sie in eine Ankunfts- und Rückführungseinrichtung(ARE) umverlegt wurden.“ so Biber.

Von dort aus würden sie dann entweder in ihr Heimatland „zurückgeführt“ oder kommen nach der Dublin3- Regelung wieder in das EU-Land zurück, in dem ihre Fingerabdrücke erstmals zur Registrierung genommen wurden. Das sind meistens die ohnehin bereits stark belasteten Mittelmeerstaaten Griechenland und Italien. Rechtlich kann man diese Prozedur nur durch eine Klage aufschieben oder anwaltlich eine drei- bis sechsmonatige Duldung erwirken. Doch viele kennen ihre Rechte nicht oder wissen sich wegen Sprachbarrieren und bürokratischen Hürden nicht zu helfen.

In der Gemeinschaftsunterkunft ist die Angst vor der Abschiebung Alltag. Vor Allem Afghanen, deren Anträge auf Asyl abgelehnt wurden, trauen sich oft nicht mehr in der Unterkunft zu übernachten. Denn die Bundespolizei kommt nachts, um sie abzuholen.

Psychiatrische Hilfe dringend benötigt

Patient nach der Untersuchung

Davon sind auch solche betroffen, die eigentlich in psychiatrischer Behandlung sind. Die Traumata, die sie durch Erlebnisse in Krisengebieten und auf der Flucht mitgebracht haben, werden durch die permanente Angst vor der Abschiebung verschärft.  Deswegen ist regelmäßig auch eine Psychiaterin von Ärzte der Welt in der Gemeinschaftsunterkunft. Ehrenamtliche Dolmetscher sind ebenfalls immer dabei: Ohne sie wäre die Arbeit dort meistens nicht möglich.

Die Geflüchteten sind stets sehr dankbar für die Hilfe. Nicht nur, weil sie eine medizinische Basisversorgung bekommen, sondern vor Allem weil ihnen hier zugehört wird. Weil hier ihre Probleme ernst genommen werden. Weil sie hier wie Menschen behandelt werden. Wie die spielenden Kinder vor der Unterkunft sorgt das für schöne Momente für viele Geflüchtete. Ein Lichtblick in dem sonst oft so schwierigen und beängstigenden Alltag.

About León Kottmann / Admin

Praktikant im Bereich Fundraising und Marketing

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