Johanna Offe: Benachteiligten Menschen Gehör verschaffen

Gespräche führen, vernetzen, Positionspapiere schreiben, Veranstaltungen organisieren, Kampagnen vorbereiten – all das sind Aufgaben einer Referentin für Grundsatzfragen. Seit Februar arbeitet Dr. Johanna Offe in dieser Funktion bei Ärzte der Welt in der Bundeshauptstadt Berlin. Wir haben ihren Besuch in der Münchener Geschäftsstelle genutzt und wollen euch Johanna und ihre Arbeit vorstellen:

„Zum einen gefällt mir an der Arbeit bei Ärzte der Welt die Kombination aus Inlands- und Auslandsarbeit“, sagt die Grundsatzreferentin. Sie sieht darin einen Vorteil gegenüber anderen NGOs und Verbänden, die sich entweder nur im Ausland oder nur im Inland engagieren. Diese Kombination bietet Ärzte der Welt die Möglichkeit, Zusammenhänge zu erkennen und zu benennen. Dadurch, dass unsere Organisation zum Beispiel Flüchtlinge an verschiedenen Stationen ihrer Fluchtroute unterstützt, können wir erkennen, welche gesundheitlichen Risiken die Flucht selbst mit sich bringt und kennen die Bedarfe der hier Ankommenden. Darüber hinaus erlaubt die Kombination aus Inlands- und Auslandsarbeit auch, auf Widersprüche in der deutschen Politik aufmerksam machen: „Die Bundesregierung macht sich zum Beispiel in internationalen Verhandlungen und Entwicklungsprojekten für den universellen Zugang zu Gesundheit stark, aber gleichzeitig verwehrt sie durch gesetzliche Regelungen in Deutschland vielen Menschen den Zugang zu Gesundheit“, erklärt die promovierte Ethnologin.

Bei Ärzte der Welt gefällt ihr auch die Nähe der politischen Grundsatzarbeit zu den konkreten Projekten. „Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass wir in Deutschland vor der eigenen Haustüre sehr engagiert sind. Das macht auch meine Aufgabe leichter – ich kann die Projekte besuchen und mir ein Bild von den Herausforderungen vor Ort machen“, freut sie sich. Zuvor war sie als Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit tätig, vor allem im Bereich HIV und Aids.

Ihre Aufgabe als Grundsatzreferentin in Berlin besteht darin, die Positionen von Ärzte der Welt noch deutlicher in der politischen Diskussion zu vertreten – und damit den Menschen am Rande der Gesellschaft Gehör verschaffen. „Es geht darum, dass man das Menschenrecht auf den Zugang zu Gesundheit nicht nur dadurch erreichen kann, dass man Menschen, denen es verweigert ist, konkret hilft. Es braucht auch Stimmen, die auf diese Missstände aufmerksam machen und gegenüber politischen Entscheidungsträgern konkrete Änderungen einfordern, damit alle Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.“ Dafür ist es notwendig, aus den Projekterfahrungen heraus und auf der Grundlage von Evidenz, Positionen zu entwickeln, wie es besser laufen könnte und was dafür verändert werden müsste. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass medizinische Behandlung allein nicht ausreicht. Es braucht auch politisch gesteuerte Veränderungen“.

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Vernetzung. In Allianzen mit anderen NGOs und Verbänden, die vergleichbare Positionen haben, kann Ärzte der Welt seine Anliegen besser umsetzen. Außerdem geht es darum, politische Entscheidungsträger über die bestehenden Missstände und die Veränderungsmöglichkeiten zu informieren und die Positionen an Parlamentarier, Krankenkassen oder Mitarbeiter von Ministerien heranzutragen – im persönlichen Gespräch oder über Veranstaltungen. Auch dafür ist Johanna Offe zuständig. Große Freude bereitet ihr derzeit die Vorbereitung von Veranstaltungen: „Für den Herbst planen wir eine Kampagne gegen hohe Medikamentenpreise. Dazu organisieren wir unter anderem gemeinsam mit anderen NGOs im September eine Veranstaltung mit Parlamentariern im Bundestag.“

About Lena Schulze

Praktikantin im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

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